Essay zur Programm- und Grundsatzkommission

17.07.2026

Welche Rolle hat eine konservative Kraft in einer disruptiven Welt? Das ist die Leitfrage in der neuen Programm- und Grundsatzkommission der CSU. Das Auseinanderbrechen technologischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Gewohnheiten löst Verlustängste aus. Die Antwort der Union war immer das Auffinden des Verbindenden zwischen den Kräften. So war es beim Wiederaufbau nach dem Krieg und bei der Wiedervereinigung von Deutschland. Das dritte Kapitel könnte jetzt die Wiederkehr des Zusammenhaltens werden. Ein Miteinander, das vom Leben und leben lassen geprägt ist, das gegensätzliche Meinungen aushält und Konsens nicht erzwingt. Durch fünf Hebel macht konservative Politik den Unterschied.


1. Orientierung: „Wenn man auf einer so festen Basis steht, hat man eine unglaubliche Bewegungsfreiheit im Kopf und kann sich auf jedes gewagte Denkexperiment einlassen, um es zu prüfen. Weil man nie Angst haben muss, dass man dabei ins Schlingern kommt.“, schreibt Franz von Bayern, der Chef des Hauses Wittelsbach. Klare Werte und feste Wurzeln ermöglichen erst Mut und Weitblick. Progressive sind oft Getriebene, weil die Grundhaltung fehlt. Wir hingegen verändern, um zu verbessern. Stets an der Spitze des Fortschritts marschierend können wir abgrenzen zwischen schnellen Hypes und echten Trends. Die weißblaue Erzählung von der Symbiose aus Innovation & Identität stammt ursprünglich ebenfalls von den Wittelsbachern. Und sie trägt bis heute – wobei die Menschen eher Ergebnisse wollen als nur Erzählungen.

 

2. Fokus: Wo Politik in engem Takt dem permanenten Trigger ausgesetzt ist, muss sie sich aufs Wesentliche konzentrieren. Als einziger Vollsortimenter unter den Parteien sind wir aktiv und präsent in allen Lebensbereichen. Damit dennoch Konturen sichtbar bleiben, schlägt unser Kompass dort aus, wo die Mehrheit steht. Im Kern sind das Familien und Fleißige, die Kommunen, unsere Sicherheit und der ländliche Raum. Diese Schwerpunkte auf Basis unserer Grundsätze konsequent zu bedienen, heißt dann auch, den Dingen sauber auf den Grund zu gehen und Wirkungsketten komplett zu Ende zu denken. Während Populisten nur die Symptome kennen.

 

3. Rückgrat: Als Volkspartei sind wir näher am Menschen und am Puls der Zeit. Mancherlei Stimmungswelle glättet sich, wenn wir lange Linien konsequent durchziehen. Durch unsere Größe und Reichweite können wir als Partei selbst aktiv den Zeitgeist prägen. Falls nötig auch durch konservativen Kulturkampf. Der Umbau des Staates weg vom Versorger für alle hin zur Verantwortung des Einzelnen, ein integrierender Patriotismus oder die Rückkehr zur Wehrpflicht bieten sich dafür an. Viele komplexe Fragen lassen zwar keine einfachen Antworten zu – die Sprache aber, mit der wir unser Tun erklären, die darf einfach sein. Entscheidend ist, dass die Denk- und Sprechverbote des linken Milieus bei uns keinerlei Wirkung entfalten.

 

4. Siegeswillen: Bayern steht für Stärke. Unser christliches Menschenbild verpflichtet uns zur Zuversicht. Daraus ergibt sich eine bejahende Lebensfreude und die pragmatische Leichtigkeit, mit der Ideologen und Extreme fremdeln. Wir wollen immer Champions League sein. Dieses Selbstverständnis dient automatisch der Verbesserung der Lebensqualität für die Menschen und ist anziehend. In Europa sind wir die erfolgreichste Partei. Dazu gehört die permanente und ehrliche Reflexion unserer Arbeit. Selbstzweifel aber sind nicht die DNA der CSU.

 

5. Führung: Nachdem sich die letzte Kohorte der 68er politisch zurückgezogen hat, dürfen jetzt konservative Tugenden deren Platz einnehmen. Disziplin, Pflichtbewusstsein und Strebsamkeit leiten uns, wenn wir dem Bürger mit seinen Anliegen sagen: Wir sind immer zuständig! Vor Ort, im Land, im Bund, in Brüssel. Nur die CSU trägt Verantwortung auf allen Ebenen. Unternehmen mit ähnlicher Struktur sind erfolgreich, wenn sie auf Leadership und Kooperation, auf Loyalität und Verlässlichkeit setzen. Auch das ist konservativ.

 

Die Suche der jungen Generation nach Stabilität, Sicherheit und Sinnstiftung hat mit Bayern als Marke einen ganz starken Bezugspunkt. Die historische Herleitung, dass Selbstverständnis, Unabhängigkeit und Anziehungskraft des Freistaats mit der Arbeit der CSU verbunden sind, kann täglich gemeinsam erneuert werden. Nicht auf dem Siegertreppchen, sondern als Startrampe zum nächsten Ziel, das uns als konservative Kraft in einer disruptiven Welt dann einzigartig macht, wenn das Auseinanderbrechen einem Aufbruch weicht.